Anstrengende Schwangerschaft

Nach der unglücklichen Fallschrimlandung und dem gebrochenen Bein ist mein Mann doch sehr anstrengend. Täglich brauch er die Bestätigung, was für ein toller Typ er ist, dass er einen solch schweren Absturz so gut verkraftet hat. Mir tut es ja auch sehr leid, dass sein Bein nun acht Wochen eingegipst ist, doch mit einem Unfall in einem solchen Ausmaß muss man rechen, wenn man aus mehreren Kilometern Höhe aus einem Flugzeug springt. Ich muss mich sehr zurück halten, das ich ihm das nicht so sage. Sonst ist er wieder sehr gekränkt. Wie auch immer,ich kann mich ja nun nicht täglich die nächsten Wochen über meinen Mann aufregen. Mit mir und dem Baby habe ich schon genug zu tun.

Stress mit dem Kind

 

Mir geht es zur Zeit nämlich auch nicht so gut. Meine zweite Schwangerschaft strengt mich sehr an. Bei meiner Eva hatte ich kaum Probleme und habe auch noch bis kurz vor der Geburt locker Arbeiten im Haushalt gemacht und war fit und sah nicht aus wie ein aufgequollener Hefekuchen. Nun bin ich das exakte Gegenteil. Ich fühle mich schrecklich, alles schmerzt, ich kann mich kaum bewegen und sehe jetzt schon aus als wäre ich im 5. Monat, dabei bin ich erst im 2. mir macht die Vorstellung angst, wie ich dann wohl im 9. Monat kurz vor der Entbindung aussehe... Ich hatte auch schon die Befürchtung Zwillinge auszutragen, doch da konnte mich meine Frauenärztin beruhigen.

Das zweite Baby zwingt mich nun tatsächlich mal dazu, die Dinge etwas langsamer und entspannter anzugehen, was eigentlich nicht so mein Fall ist, aber ich muss mich dem Willen des Kleinen wohl beugen

 

PS: Ich liebe dich

Gestern Abend habe ich einen wunderbaren Film geguckt und bin dann heute sofort losgelaufen, um mir das Buch zu kaufen.

„PS: Ich liebe dich“ ein Roman von Cecilia Ahren ist eine unglaublich romantische Geschichte. Gerry, Hollys Mann stirbt gleich am Anfang des Romans. Sie ist furchtbar traurig und fällt in ein tiefes emotionales Loch. An ihrem 30. Geburtstag fängt es an, dass sie Nachrichten von ihrem erstorbenen Gerry bekommt, die Anweisungen an sie enthalten. Nach jedem Brief muss sie sich Bemühen seinen Anweisungen zu folgen. So muss sie beispielsweise mit ihren Freundinnen shoppen gehen, in eine Karaoke Bar gehen oder mit ihren Freundinnen nach Irland zu seiner Familie fahren, wo sich die beiden kennen gelernt haben. Dort kommt ihre ganze Lebensgeschichte hoch. Gerry und Holly waren beide noch sehr jung als sie geheiratet haben, ich glaube sie war erst 19. Es wurden Bilder aus deren Kennlernzeit gezeigt, die mit heute verschmolzen.

Diese Geschichte ist so emotional erzählt, dass ich ständig von neuem anfangen musste zu weinen. Mein Mann konnte sich nur an die Stirn fassen und meinte, dass dies mal wieder ein typischer Frauenfilm wäre. Da hat er vollkommen recht. Dies ist ein wundervoller Frauenfilm und ich hoffe, dass mir das Buch sogar noch besser gefallen wird. Denn meistens ist es ja so, dass einem die Bücher besser gefallen, als die Filme. Ich finde das auch ganz normal. Wie soll ein Film in 90 Minuten etwas darstellen, wozu ein Buch ca. 350 Seiten braucht? Deswegen schaue ich mir auch selten Buchverfilmungen an, wenn ich ein Buch gelesen habe. Sehe ich aber erst den Film und lese dann das Buch ist es meines Erachtens ok.

Kindergeburtstagspläne

Morgen ist Evas 7. Geburtstag und eine grandiose Kindergeburtstagsparty wird stattfinden. Zum Glück sind alle ihre Freundinnen in der Stadt und nicht verreist. Es sind ja schließlich Sommerferien. Ich finde ja Sommergeburtstage super. Man kann draussen feiern und bei schlechtem Wetter auf drinnen ausweichen. Diese Möglichkeit hat man im Winter nicht. Da muss man immer drinnen feiern. Der Nachteil an Sommergeburtstagen ist natürlich, dass immer Ferien sind, sodass die Kinder im Urlaub sind. Dann kann man erst Wochen später nachfeiern. Das bleibt uns dieses Jahr glücklicherweise erspart.

 

Für Evas Geburtstag habe ich eine Prinzessinnenparty geplant. Alle kleinen Mädchen bekommen glitzernde Kronen auf und die Jungs bekommen ein Schwert und eine Prinzenkrone. Dekoriert wird alles in lila und rosa, Evas Lieblingsfarben. Ich habe schon Luftballons, die man mit Helium aufblasen kann, rosa und lila Girlanden und Gesichtsschminke gekauft. Meine Schwester ist nämlich eine von denen, die auf Kinderfesten, den Kindern Motive ins Gesicht malen. Da werden die Kinder große Augen machen und sich hoffentlich freuen.

 

Im Internet habe ich dann auch ein bisschen recherchiert und viele Rezepte zu lilafarbenen Torten gefunden. Also habe ich mich dran gemacht einen Lila Kuchen aus Brombeeren und Heidelbeeren zu backen. Außerdem habe ich im Supermarkt um die Ecke eine Backmischung für einen Prinzessin Lillifee Kuchen gefunden. Ich musste alles heimlich backen, damit Eva die Überraschung noch nicht sieht. Eingekauft habe ich sonst natürlich auch alles, es gibt Himbeersaft mit Wasser verdünnt, nur Wasser und Früchtetee. Ich hoffe, dass sie einen sehr schönen 7. Geburtstag haben wird, an den sich sie und ihre Freunde noch lange schön erinnern können.

Fallschirmsprung

Vor ein paar Tagen kam mein Mann auf die grandiose Idee einen Fallschirmsprung machen zu wollen. Ich bin fast aus den Schuhen umgekippt, als er mir das eröffnete. Er habe das Gefühl, da nun das zweite Kind im Anmarsch ist, müsse er noch einiges erledigen, weil er sich bei zwei Kindern keine Zeit für sich schaffen kann. Ich konnte innerlich nur mit den Augen rollen. Als stünde er kurz vor seinem Tod...Wusste ja gar nicht, wie sehr ihn das alles mitnimmt. Armer Robert. Ich fing auch gleich an zu schmunzeln, was ihn beleidigt weg laufen ließ.

Noch ein paar Tage später, es war Freitag, wedelte er mit einem Stück Papier vor meiner Nase rum. Beim lesen sah ich sofort, dass morgen der Tag des Fallschirmsprungs war. Frohen Mutes fuhren wir dann auch tags drauf zum vereinbarten Platz und hatten auch noch meinen Bruder, immer noch Roberts besten Freund, mit dabei. Dort angekommen wurde mein Freund eingewiesen und angezogen. Eva hüpfte aufgeregt um uns alle herum und machte meinen Mann noch nervöser. Ich war auch da noch sehr amüsiert über das verhalten meines Manns. Um 12.00 stiegen dann drei Paare (es war ja ein Tandemsprung) in das kleine Flugzeug und sie starteten. In diesem Moment wurde auch mir mulmig, aber mein grenzenloses Vertrauen in Profis ihres Bereichs holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Als das Flugzeug eine gewisse Höhe erreicht hatte, sah ich nacheinander drei bündel aus dem Flugzeug fallen und ahnte, dass in einem mein Mann steckte.

Nach einigen Minuten erkannte ich ihn auch und war total stolz auf meinen Robert. Als es zur Landung ging, sah ich ihn mir zuwinken und er war für einen Moment abgelenkt und brach sich beim Aufkommen das Bein. Fazit: Acht Wochen Büroarbeit.

Babyglück

ich habe doch erzählt, dass es mir in der letzten Zeit nicht so gut ging...Tja, ich war wegen der Übelkeit auch tatsächlich bei meiner Hausärztin, die mich mit der Vermutung schwanger zu sein zu meiner Frauenärztin schickte und siehe da: ich bin schwanger! Ich kann es nicht fassen. Mein zweites Kind ist auf dem Weg. Völlig aufgeregt erzählte ich das meinem Mann, der auch total perplex war. Eva freut sich schon sehr auf ihr kleines Geschwisterkind und möchte einen kleinen Bruder haben. Wir wissen noch nicht was es wird. Uns als Eltern ist es natürlich nur wichtig, dass das Baby gesund und munter ist. Meine Eltern sind auch schon wieder total aufgeregt. Gott sei Dank haben wir damals Evas Babyzubehör, wie den Wagen und Strampler noch aufgehoben. Nun können die alle vom zweiten Baby benutzt werden.

 

Ich mache mir natürlich auch gleichzeitig die Gedanken, was nun mit meinem Job passiert. Ich bin ja zum Glück angestellt und kann mir eine Auszeit für mich und das Baby nehmen und dann wieder einsteigen. Meine Freundin Susanne hat da größere Probleme. Sie hat gerade ihr Abschlusszeugnis in Jura bekommen und angefangen sich selbstständig zu machen, als ihr Sohn auf dem Weg war. Für einige Monate konnte sie eine Vertretung engagieren, doch dann musste sie auch wieder in die Kanzlei. Mit dem Kleinen ist sie dann immer losgegangen und hat gehofft, dass der nicht allzu viel Theater macht. Es ist nun auch alles gut gegangen. Luis Vater hatte auch keine Zeit, weil der mit seiner Baufirma auch selbstständig ist und ohne ihn nichts läuft. Mein Robert könnte ja auch in Elternzeit gehen. Als Beamter ist ja alles möglich.

Stress und Alltagsprobleme

Seit einigen Tagen geht es mir nicht besonders gut. Mir ist oft übel und ich habe Kopfschmerzen. Das ist furchtbar anstrengend. Ich weiß auch nicht, wie ich da gegen an gehen soll. Mein Mann meint, ich solle mal etwas ausspannen und mit ein paar Tage frei nehmen. Ich sollte vielleicht mal auf ihn hören und mir mal etwas Zeit für mich selbst gönnen, doch das fällt mir immer sehr schwer. Mich nehmen mein Beruf, meine Tochter, meine Freundinnen und mein Mann voll in Anspruch. Ich habe keine Zeit, um mich um mich selbst zu kümmern.

 

Meine Tochter, Eva, ist zur Zeit mal wieder etwas krank. Das tut mir immer so leid. So ein kleiner, zarter Kinderkörper muss dann solch schweren Husten und Schmerzen aushalten. Da habe ich immer absolutes Mitleid. Sie darf sich dann in dieser Zeit immer ihr essen aussuchen. Dass heißt für meinen Mann und mich: die meiste Zeit gibt es Milchreis oder Grießbrei. Außerdem muss sie immer viel Tee trinken. Ich bin froh, dass meine Eva so unkompliziert ist und mir keinen zusätzlichen Stress macht. Ich hoffe, so bleibt sie auch, wenn sie in die Pubertät kommt. Das ist ja Gott sei Dank noch länger hin.

 

Meinem Mann grault es schon davor, wenn Eva den ersten Freund mit nach hause bringt. Ich erinnere mich auch noch gut an diese Situation. Die ist wohl für alle Beteiligten unangenehm. Wenn Eva den ersten jungen Mann mit nach hause bringt, ist sie wohl hoffentlich 16. Ich möchte keine Tochter haben, die zu früh ihre Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht macht. Ich versuche das so lange es geht hinauszuzögern.

 

Vorfreude

Langeweile treibt mich um. Es ist Donnerstag. Ich bin alleine. Urlaub habe ich mir genomen. Mir selbst genehmigt. Keinen Antrag musste ich ausfüllen. Das ist so, wenn man sein eigener Herr ist. Kein lästiger Papierkram, kein Betteln um die freien Tage. Einfach meine Sachen habe ich gepackt und bin gegangen. In ein verlängertes Wochenende. Die Aufträge müssen warten. Die Betrogenen und Gehörnten müssen sich gedulden. Für sie ist es ohnehin schon zu spät. Zeit spielt für sie keine Rolle mehr. Bewusst ist das meinen Klienten natürlich nicht. Sie hoffen noch. Hoffen, dass alles ein irrtum ist. Dass sich alles auflösen wird. Zum Positiven. Alles musste ein Missverständnis gewesen sein. Irgendetwas musste passiert sein. Ein wichtiger Geschäftstermin. Eine unvorhergesehene Besprechung. Seltsam anmutende Abrechnungsbelege. Nichts Außergewöhnliches in unserer Zeit. Den Kunden muss schließlich etwas Besonderes geboten werden. Die Konkurrenz schläft nicht.

Ich brauche eine Pause. Eine Pause von dem Unschönen. Heute Abend wollen wir essengehen. Zu unserem Lieblingsitalienber. Unsere erste Verabredung war dort gewesen. Das ist lange her. Heute gehe ich dort mit gemischten Gefühlen hin. Das Essen ist mir unangenehm geworden. Ich fühle mich beobachtet ob der Mengen, die ich zu mir nehme. Noch nicht ganz überwunden habe ich die Auseinandersetzung, die eigentlich gar keine war, vor einigen Tagen. Auch die Blumen am nächsten Tag haben da nicht viel geholfen. Er gibt sich wirklich Mühe, das muss man ihm lassen. Er ist zuvorkommend, er macht mir Komplimente. Fast sind es schon zu viele. Dann wirkt es schnell unglaubwürdig. Ich werde den Abend abwarten. Es war immer schön bei Antonio gewesen. Keine schlechten Erinnerungen. Nur noch wenige Stunden. Ich freue mich. Wirklich.

Selbstzweifel

Es ist nicht immer einfach, ich zu sein. Nicht als Pummelfee. Und nicht mit diesem Mann an meiner Seite. Er habe es nicht so gemeint. Er liebe mich doch so wie ich sei. Er liebe mich doch so wie ich sei? Wie ich sei?! Als Fette oder was?! Ist ja auch nicht so, als wäre er der schönste Mann auf Gottes Erde. Ertragen habe ich es. Viele Jahre schon. Womöglich zu viele? Den sich immer weiter ausdehnenden Gesichtskranz, der sich um sein knubbeliges Gesicht wölbt. Das immer dünner werdende Haar. Nichts habe ich gesagt. Auch nicht, dass ich ihn trotzdem lieben würde. Trotz seiner optischen Makel.

Ich bin verunsichert. Das ist nicht meine Art. Ich fühle mich unwohl. Niemand hat ihn gegessen. Den Kuchen. Eine Woche stand er da, unangetastet. Auch unsere Gäste am Montag wollten ihn nicht anrühren. Sie müssen die schlechte Stimmung gemerkt haben. Die Stimmung, unter der der Kuchen entstanden ist. Egal. Ich kann und will nicht mehr Zeit darauf verwenden, mir über meine körperlichen Befindlichkeiten Gedanken machen zu müssen. Ich habe zu tun. Betrogene Ehefrauen wollen gerächt werden. Gehörnte Ehemänner wollen ihren Widersacher ausfindig machen. Es ist ein schmutziges Geschäft. Und es ist ein krisensicheres Geschäft. Überstunden muss ich machen. Ja, es ist ein wirklich schmutziges Geschäft. Besonders unangenehm wird es immer dann, wenn man von guten Freunden gebeten wird, einen Auftrag zu übernehmen. Kosten wollen sie sparen. Dass sie oft mit ihrem Stolz bezahlen, ist den meisten nicht bewusst. Schließlich soll niemand im Bekanntenkreis wissen, was wirklich los ist. Nicht, dass ich es erzählen würde. Verschwiegenheit ist das Wichtigste in meinem Beruf. Dennoch, soziale Kontakte - zumindest zu mir - leiden am Ende oft.

Was bin ich?

Das letzte Wochenende habe ich wieder Unmengen an Kuchen gebacken. Und ja, mich hat es einfach aufgeregt, wie mein Mann in der Küche stand und mir den Weg versperrte. Ich kam nicht an ihm vorbei, um aus dem Kühlschrank die restlichen Eier zu holen. Für das Wochenende hatte ich mir vorgenommen gleich drei Kuchen zu backen, etwas kleiner. Ich wollte nicht viele Kuchen essen, sondern eine Auswahl haben. Schließlich bekamen wir auch Gäste am Montag, obwohl die Veganer sind, und meine Kuchen sowieso nicht essen. Wie kann man nur so mäkelig sein und sich so eine absurde Bürde auferlegen, keine tierischen Produkte zu essen.

 

Ich schob mich also an meinem Mann vorbei und regte mich auf, dass er mir im Weg steht. Er schien wohl etwas gereizt gewesen zu sein. Vielleicht hat ihn die Arbeit am Freitag bei der Polizeit gestresst. Er musste mit seinen Männern mal wieder auf so eine Demo, wo Jugendliche sich zum Prügeln trafen. Das nimmt ihn sehr mit.

 

Wie ich mich also so an ihm vorbei schob, und mein Bauch an seinem Rücke rieb, das Hemd auf meinem Bauch spannte und ich die Mehlspuren an seinem Pullover abwischte, da sagte er zu mir: „Mach nicht so viel Kuchen, du wirst nur noch fetter!“ Ja, er brüllt es regelrecht aus sich heraus. Natürlich, Grund dafür war seine Gereiztheit, es war aus dem Affekt gesagt wurden, trotzdem ist mir die Backschüssel aus der Hand gefallen, ich riss das Brettchen mit dem Mehl darauf herunter, sodass sich das weiße Pulver über ihn und mich legte. Der Teig lag auf dem Boden. Ich konnte es nicht fassen und fing an zu weinen. Er hat sich dann später bei mir entschuldigt. War alles nicht so gemeint. Doch irgendwie, auch wenn ich es wollte, können wir das gesagte nicht ungesagt machen. Er hat gesagt ich bin fett!

Auftrag: Familienzusammenführung

Letzte Woche ist ein wirklich super interessanter Auftrag ins Haus gekommen, mal eine ganze andere Geschichte neben den ganzen normalen Bespitzelungsaufträgen von eifersüchtigen Ehefrauen, die ihren Mann verdächtigen, sie zu betrügen. Da fragt man sich abseits von aller Professionalität doch auch so manches Mal, ob man mit seiner Dienstleistung überhaupt einen produktiven Mehrwert erschafft.

Es kam letzten Donnerstag also eine Frau in mein Büro, die mir eine wirklich bewegende Geschichte erzählte, die in meinen Augen vom Spannungsgehalt sogar eine Verfilmung wert gewesen wäre. Sie erzählte davon, wie sie mit ihrem Bruder bei ihrer Tante und dessen Mann in der ehemaligen DDR aufgezogen wurden, nachdem ihre Eltern – wie sie später erfahren musste – nicht bei einem Autounfall, sondere bei einem Fluchtversuch im damaligen Ost-Berlin von Grenzsoldaten erschossen worden waren. Ihre Verwandten, bei denen sie aufwuchs, beschrieb sie zwar nicht als die Regimetreuesten, aber auch nicht als Revolutionäre, die aktiv gegen das System vorgingen oder gar eine Umsturz im Sinne hatten. Trotzdem fühlten sie sich wohl gegenüber den Verstorbenen Eltern verpflichtet, deren Kindern ein Leben mit einer besseren Perspektive im Westteil Deutschlands zu ermöglichen. Neben all den Unwägbarkeiten und Gefahren, die ein solcher Plan mit sich bringt, war es natürlich auch ein schwieriges Unterfangen, diese Pläne ohne die entsprechenden Kontakte in die Szene durchzusetzen.

Sie entschieden sich also den Versuch zu unternehmen, die Kinder im Zuge einer Reise nach Ungarn über die westdeutsche Botschaft aus der DDR herauszuschmuggeln. Durch einen guten Kontakt und trotz der Gefahr eines Stasi-Spitzels, der die Familie zu beobachten begann, gelang es den Erwachsenen, die Kinder in die Botschaft zu bringen. Seit dem hat die junge Frau, die zu mir kam, jedoch keinen Kontakt mehr zu ihrer Tante und ihrem Mann, trotz des Zusammenbruchs der UdSSR konnte sie diese nicht ausfindig machen, vermutetet aber, dass sie Ungarn geblieben sein könnten. Mein Auftrag war also, diese Familie wieder zusammenzuführen. Es kann los gehen!